Aktive und Passive Sicherheit

Neben den beiden bei Mercedes-Benz- und Setra-Omnibussen seit Inzwischen mehreren Jahrzehnten bereits zum Standard gehörenden Sicherheitskomponenten Anti-Blockier-System (ABS) und Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) verfügen alle, unsere Flotte zugehörigen, Setra-Omnibusse über eine ganze Reihe neu entwickelter Sicherheitseinrichtungen, von denen wir Ihnen die wichtigsten kurz beschreiben möchten.

 

 

Kleiner Tritt mit großer Wirkung – das intelligente Bremssystem unserer Omnibusse


Eine der wichtigsten Sicherheitseinrichtung bei den heutigen Bussen ist das Elektronische Bremssystem (EBS). Wie bei einer herkömmlichen Druckluftbremse werden die Stellkräfte an den Bremssätteln pneumatisch aufgebracht. Betätigt werden die Druckluftventile jedoch nicht nur pneumatisch, sondern auch elektrisch, und ihre Regelung erfolgt elektronisch. Damit dosiert der Fahrer die Bremskraft wesentlich feinfühliger und kann die Verzögerung komfortabler ausführen. Da die elektrische Signalübertragung unvergleichlich schneller ist als die pneumatische, wird die Ansprechzeit der Bremse verkürzt mit dem Ergebnis, dass der Anhalteweg bei einer Vollbremsung kürzer ist.

Die Busse arbeiten mit einem Bremssystem, bei dem die Funktion des Retarders integriert wird. Beim Tritt auf die Fußplatte (= Bremspedal) wird zunächst der Retarder aktiviert. Erst bei höheren Soll-Verzögerungen schaltet das EBS die Betriebsbremse zu. Eine Überhitzung der Betriebsbremse durch zu lange Benutzung wird damit weitgehend ausgeschlossen.

 

 

Anti-Blockier-System


Das ABS für Omnibusse besteht aus einem Regelsystem, bei dem jedes Rad einzeln überwacht und geregelt wird. Die Regelarten an Vorder- und Hinterachse unterscheiden sich:

 

-         An der Hinterachse wird jedes Rad einzeln (individuell) nach dem größtmöglichen Kraftschluss geregelt. Das bedeutet kleinstmöglichen Bremsweg auch bei unterschiedlich griffiger Fahrbahn (µ-Split). Diese Regelung wird als Individualregelung (IR) bezeichnet.

 

-         An der Vorderachse (Lenkachse!) könnte die IR bei einseitig glatter Fahrbahn zum Ausbrechen des Fahrzeugs führen. Deshalb kommt für die Räder der Vorderachse eine modifizierte Individualregelung (MIR) zum Einsatz. Hier werden die Bremskraftunterschiede zwischen rechter und linker Seite so begrenzt, dass der Fahrer mit geringem Lenkaufwand in der Spur halten kann.

 

 

Antriebs-Schlupf-Regelung

 

Die ASR ist eine Zusatzeinrichtung zum ABS. Die Bauteile des ABS werden durch einige ASR-Spezifischen Teile erweitert, eine spezielle Elektronik enthält die Regelkomponenten für beide Systeme.

 

Die ASR besteht aus zwei Regelungsarten:

 

-         Dreht ein Antriebsrad durch, so bremst die Radregelung dieses Rad ab. Diese Regelung ist eine Anfahrhilfe für einseitige glatte Fahrbahn und erfolgt unabhängig vom ASR-Schalter auf der Instrumententafel.

 

-         Drehen beide Antriebsräder durch, so wird durch die Motorregelung die Motorleistung zurückgenommen. Die Motorregelung wird auch bei einseitiger durchdrehendem Antriebsrad bei Geschwindigkeiten oberhalb von 25 km/h aktiviert.

 

 

ASR-Kontroll-Lampe

 

Die ASR-Kontroll-Lampe signalisiert dem Fahrer, dass die ASR in Funktion ist. Das heißt, dass der Kraftschluss zwischen Reifen und Fahrbahn bis an die physikalischen Grenzen ausgenutzt ist und die Fahrweise entsprechend angepasst werden muss.

 

 

Kürzerer Bremsweg dank Bremsassistent ( BA )

 

Wenn ein Fahrer bei einer Notbremsung das Bremspedal nur anfangs sehr schnell betätigt, das Pedal dann aber nicht weiter mit voller Kraft durchtritt, geht wertvoller Bremsweg verloren. Dieser Bremswegverlust ist durch den Bremsassistent vermeidbar.

Der Bremsassistent erkennt eine brenzlige Situation (Notbremsung) an der Geschwindigkeit, mit der das Bremspedal betätigt wird, und realisiert schon frühzeitig eine höhere Abbremsung (einen höheren Bremsdruck), als der Fahrer aufgrund seiner Bremspedalstellung verlangt.

Die Funktion des Bremsassistenten ist als Software im Steuergerät des elektronisch geregelten Bremssystem (EBS) integriert.

 

 

Distanz wahren mit dem Abstandsregel-Tempomat (ART)

 

Der Abstandsregel-Tempomat (ART) entlastet den Fahrer auf Autobahnen und vergleichbaren Fernstraßen. Erkennt der ART ein langsameres Fahrzeug voraus, bremst er den Omnibus automatisch ab, bis ein vom Fahrer vorgewählter Abstand erreicht ist, den ART dann konstant einhält.

20mal pro Sekunde tastet ein Abstandssensor die Umgebung vor dem Bus ab. Dieser Sensor, der in der Mitte der Fahrzeugfront angebracht ist, schaltet ständig zwischen drei „Radarkeulen“ hin und her. Die drei Keulen verwendet der Sensor dazu festzustellen, wo sich das reflektierende Objekt befindet. Also ob in der eigenen Fahrspur oder in einer der Nachbarfahrspuren. Er misst dabei Abstand und Relativgeschwindigkeit sowie Winkel der vorausfahrenden Fahrzeuge in einer Entfernung von maximal 150m. Die Ergebnisse werden ständig zueinander abgeglichen. ART „handelt“ erst, wenn der Vorausfahrende als sicher erfasst gilt. Das heißt, wenn nach Filterung und Plausibilitätsprüfungen über mehrere Zyklen hinweg das gleiche Ergebnis errechnet wird.

Der Abstandssensor ist mit den Steuergeräten der Bremsanlage und des Motors gekoppelt, mit denen er wichtige Daten austauscht und abgleicht.

 

 

Mit Dauerbrems-Limiter (DBL) konstant und sicher bergab

 

Als weiteres innovatives System unterstützt der Dauerbrems-Limiter (DBL) den Fahrer bei Bergabfahrten wie beispielsweise langen Autobahngefällen oder Passfahrten. Der Dauerbrems-Limiter bremst das Fahrzeug über den Retarder dann ab, wenn die gesetzlich zulässige Höchstgeschwindigkeit in Folge einer schwerkraftbedingten Beschleunigung überschritten wird und die Einspritzung des Motors bereits abgeschaltet hat. Neben der erhöhten Sicherheit profitiert der Fahrer davon, dass versehentliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, wie sie in stark hügeligem Gelände vorkommen können, mit dem Dauerbrems-Limiter praktisch ausgeschlossen sind.

 


Active Brake Assist (ABA) hilft aktiv, Auffahrunfälle zu vermeiden


Der Active Brake Assist leitet bei der akuten Gefahr eines Auffahrunfalls auf ein langsamer vorausfahrendes Fahrzeug nach gestuften Warnhinweisen eine Vollbremsung ein. Kommt der Omnibus mit der Notbremsung zum Stillstand, wird automatisch die Warnblickanlage eingeschaltet.

Der Active Brake Assist basiert auf dem Abstandsregeltempomaten (ART). Er nutzt dabei den Radarsensor des ART, der mit seinen drei Radarkeulen innerhalb eines definierten Bereiches vor dem Omnibus fahrende Hindernisse erkennen kann. Fortlaufend werden der Abstand und die Relativ-Geschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug erfasst und ausgewertet.

Droht bei unverändert beibehaltener Verkehrssituation ein Unfall, kommt ein gestuftes Warnkonzept zum Einsatz. Zunächst wird der Fahrer durch ein rot aufleuchtendes Dreieck mit dem Umriss eines Fahrzeugs in der Instrumententafel sowie akustisch mit einem anschwellenden Ton gewarnt. Verschärft sich die Kollisionsgefahr, wird eine Teilbremsung eingeleitet. Die Technik nimmt dabei durch einen sanften Anstieg des Bremsdrucks Rücksicht auf die Fahrgäste an Bord. Reagiert der Fahrer nicht, leitet das System im letzten Schritt selbständig eine Vollbremsung ein.

 

 

Elektronisches Stabilitäts-System (ESP) sorgt für die richtige Spur


Das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) hilft dem Fahrer, in kritischen Fahrsituationen die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten, beispielsweise bei Kurvenfahrten oder bei plötzlichem Ausweichmanöver. Durch einen gezielten, exakt dosierten Bremseingriff an den Rädern und Reduzierung des Motormoments wird einem Schleudern des Fahrzeugs vorgebeugt und die Richtungsstabilität wiederhergestellt.

Die Elektronik des ESP erfasst ständig die Bewegungen des Busses und vergleicht diese in Sekundenbruchteilen mit dem Lenkradeinschlag. Erkennt das System eine kritische Situation, erfolgt automatisch ein Brems- und Motoreingriff. Einzelne Räder werden gezielt abgebremst und das Motormoment reduziert, um den Bus wieder in die richtige Fahrtrichtung zu bringen.

In fahrtechnischen Extremsituationen, z.B. bei plötzlichen Lenkmanövern oder bei Kurvenfahrten, bringt ESP einen deutlichen Sicherheitsgewinn. ESP verbessert die Richtungsstabilität und wirkt zusätzlich in allen Fahrsituationen Fahrzeug stabilisierend. Ein Nebeneffekt ist die Steigerung des Fahrkomforts.

 

 

Viel Licht für klaren Blick

 

Litronic-Scheinwerfer leuchten die Fahrbahn weiter und breiter aus. Das helle, bläuliche Licht der Gasentladungslampen leuchtet dank computeroptimierter Freiflächenreflektoren den Fahrbahnrand besser aus. Dadurch erreichen wir in den Bussen, dass der Fahrer Hindernisse so früh wie möglich erkennt.

 

 

Front Collision Guard ( FCG)


Die Entwickler haben die Wirkung des Front Collision Guard nicht nur rechnerisch ermittelt, sondern in der Folge zur Absicherung auch in mehreren Crash-Tests praktisch erprobt. Der FCG erfüllt außerdem bereits künftige gesetzliche Normen für Pendelschlagtests bei Omnibussen. Zusammen mit dem Active Brake Assist, durch den bei einem unvermeidlichen Frontalaufprall die Kollisionsgeschwindigkeit drastisch gesenkt werden kann, wird mit dem FCG ein bisher unerreichtes Maß an Sicherheit für Fahrer und Reisebegleiter erreicht.

 

 

Bei allen beschriebenen Maßnahmen sollte allerdings auch eines nicht vergessen werden: Sicherheit muss im Innenraum auch ganz einfach gut aussehen und darf den Fahrgast in seinem Wohlbefinden nicht beeinträchtigen. Schließlich soll der Omnibus keineswegs unter Vorschriften leiden, die unsere Fahrgäste einengen, sondern immer gerne benutzt werden – ganz nach seiner eigentlichen Zweckbestimmung, ein Fahrzeug „für alle“ zu sein.